»Alles ist im Fluss« – nie traf Heraklits Zitat so ins Schwarze wie im 21. Jahrhundert. Der globalen Dynamik stellt sich jetzt die Westfälische Kulturkonferenz: »Kulturarbeit und Arbeitskultur im Wandel: Was brauchen wir jetzt?«, lautet das Motto der 13. Ausgabe, die diesmal in Detmold stattfindet.
Bei dem Erfahrungsaustausch, der am 8. November im Detmolder Hangar 21 stattfindet, geht es darum, wie jene, die Kunst und Kultur in Westfalen-Lippe gestalten, mit den rapide fortschreitenden Veränderungen in der Gesellschaft umgehen. Digitalisierung, Individualisierung, demographischer Wandel, Fachkräftemangel, Künstliche Intelligenz – diesen Herausforderungen müssen sich auch Museen, Theater und andere Kultureinrichtungen stellen. Gleiches gilt für Verwaltungen, Jurys und Gremien, die innerhalb der Kunst- und Kulturszene agieren.
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), Ausrichter der Konferenz, hat das Programm in einen allgemeinen Teil sowie in rekordverdächtige 26 »Table Sessions« untergliedert. Zum Einstieg spricht die Hamburger Soziologin Alexandra Manske über »Gute und würdige Arbeit im Kulturbetrieb – Chancen und Grenzen«. Der anschließende »Info-Parcours« präsentiert praxisnahe und anwendungsorientierte Beispiele zeitgemäßer Kulturarbeit und Arbeitskultur. Mit einem »Bericht aus dem Haus, das es nicht gibt« will die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Nesrin Tanç visionäre Perspektiven aufzeigen.
Berufsbilder im Kulturbereich
Anschließend geht es bei den »Table Sessions« um Fragen, Antworten, Erfahrungsberichte und Denkanstöße, die in zwei Durchgängen à 45 Minuten aufs Tapet kommen. So geben Oliver Scheytt und Katrin Waldeck Einblick in die Vielfalt der Berufsbilder im Kulturbereich. Ein gelungenes Personalmanagement ruhe, so die Expert*innen, auf fünf Säulen: Leitung, Programm, Produktion, Kommunikation und Administration.
Stell dir vor, es gibt vakante Jobs im Kulturbereich, und keiner geht hin: Klingt für Angehörige der Baby-Boomer-Generation utopisch, könnte aber in Zeiten eines florierenden Fachkräftemangels in Deutschland Realität werden. Eine eigene Session, moderiert von Annegret Schwiening vom Landesverband der Musikschulen in NRW, widmet sich der Frage, wie die Kulturinstitutionen in Westfalen-Lippe zukünftig mehr Menschen für die Mitarbeit motivieren – und qualifizieren – können.
Freilich gilt auch für die Kulturszene: Ohne Moos nichts los. Der Selbstausbeutung von Kulturschaffenden, die allzu oft mit dem Hinweis auf ihre beglückende kreative Tätigkeit abgespeist werden, gehört ein Riegel vorgeschoben. Deshalb gilt in NRW ab 2026 die »Honorarmatrix«. Ulrike Seybold vom NRW Landesverband Freie Darstellende Künste möchte mit Künstler*innen und Entscheidungsträger*innen aus der Verwaltung darüber diskutieren, wie sich der Spagat von Mindesthonorar und Projektbewältigung bei gleichbleibendem (oder sogar sinkendem) Etat meistern lässt.
Weitere Arbeitsgruppen der Kulturkonferenz befassen sich unter anderem mit Schule, Bildung, Ehrenamt, den Konsequenzen, den der Vormarsch der Künstlichen Intelligenz für die Kulturverwaltung hat, sowie mit Aspekten von Diversität und Inklusion. Frauke Becker, Linda Fisahn und Ella Steinmann vom Schauspiel Dortmund, Gastgeberinnen der »Table Session« mit dem Titel »Inklusive Kunstpraxis – (Keine) Zeit für Ausreden?!«, verfolgen ein ehrgeiziges Ziel: »Alle sollen Kunst machen können«. Aber wer guckt noch zu, wenn jeder auf der Bühne steht?
13. Westfälische Kulturkonferenz, 8. November, Hangar 21, Detmold